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Nostalgie 6
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Ganzhinterseher
2020-10-12 11:30:55 UTC
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Das von Elias Holl erbaute Rathaus der Stadt Augsburg ist der bedeutendste Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen und auch technisch eine Meisterleistung: Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1624 galt es als weltweit einziges bestehendes Gebäude mit mehr als sechs Stockwerken. Seine Größe und Pracht ist Ausdruck des Selbstbewusstseins der reichen Bürgerschaft einer der ältesten und schönsten Städte Deutschlands: Augusta Vindelicorum.
http://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Rathaus
http://www2.augsburg.de/index.php?id=936

Das Rathaus bildet zusammen mit dem benachbarten Perlachturm den Mittelpunkt der historischen Altstadt. Dieser Turm wurde von Holl im Stil der Renaissance umgestaltet und auf 70 Meter erhöht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Perlachturm
http://www2.augsburg.de/index.php?id=935

Für den Flugpionier Salomon Idler bedeutete es also ein großes Risiko, von der Spitze des Turms herunterzufliegen. Trotzdem bat er im April des Jahres 1665 um die Erlaubnis dazu. Die Meistersinger von Augsburg widersprachen diesem Ansinnen allerdings heftig und diskreditierten den "Bürger und Schuhmacher dahier" beim Magistrat der Reichsstadt als "hirnlos und luftsinnig“, zeigten also das bis heute für die grölende Meute typische Verhalten. Der Streit gelangte indessen nicht zur Entscheidung und Salomon Idler nicht zum vorzeitigen Tode, weil ein Geistlicher ihm riet, zur Übung zunächst einmal von unten auf den Turm hinaufzufliegen. Solche überraschenden Wendungen sind oft die Lösung lange schwelender Probleme. Und damit kommen wir zum Thema. Mengenlehre.

Anstatt einfach willkürlich, unbegründet und mit intellektuellem Todesmut das Auswahlaxiom als Axiom auszuwählen, wäre es doch viel überzeugender, den umgekehrten Weg zu beschreiten und diese Auswahl durch eine konkrete Wohlordnung einer unordentlichen Menge zu rechtfertigen.

Auf denn, Jünger Zermelos, frisch ans Werk mit Lukas 11.10: Wer da suchet, der findet, und wer anklopfet, dem wird aufgetan. Und sollte jemand auch nach dem gänzlichen Scheitern seiner Wohlordnungs- und Auswahlbemühungen immer noch an einen Sinn des Auswahlaxioms glauben, so bleibt als Trost Matthäus 5.3: Beati pauperes spiritu, quia ipsorum est regnum coelorum.

Und wenn noch ein Rat erlaubt ist: Ich halte es für erfolgversprechender, mit zwei Aldi-Tüten als Flügel das Fliegen zu versuchen. Aber immer von unten starten!

Gruß, WM
Alfred Flaßhaar
2020-10-12 12:39:51 UTC
Permalink
Am 12.10.2020 um 13:30 schrieb Ganzhinterseher:

(...)
Anstatt einfach willkürlich, unbegründet und mit intellektuellem Todesmut das Auswahlaxiom als Axiom auszuwählen, wäre es doch viel überzeugender, den umgekehrten Weg zu beschreiten und diese Auswahl durch eine konkrete Wohlordnung einer unordentlichen Menge zu rechtfertigen..
Auf denn, Jünger Zermelos, frisch ans Werk mit Lukas 11.10: Wer da suchet, der findet, und wer anklopfet, dem wird aufgetan. Und sollte jemand auch nach dem gänzlichen Scheitern seiner Wohlordnungs- und Auswahlbemühungen immer noch an einen Sinn des Auswahlaxioms glauben, so bleibt als Trost Matthäus 5.3: Beati pauperes spiritu, quia ipsorum est regnum coelorum.
(...)
Mich tröstet eher die Äquivalenz von Auswahlaxiom und Zornschem Lemma.
Sehr zu empfehlen hierzu ist von Naas/Tutschke "Große Sätze und schöne
Beweise in der Mathematik", Deutsch Taschenbücher, Band 63, die Seiten
63-71. Aber das kennst Du ja gewiß schon.

Gruß, Alfred Flaßhaar

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