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Informatikstudium
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Lothar Frings
2018-09-18 10:18:49 UTC
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Ein Bekannter von mir, der Informatik
studiert hat, hat erzählt, dass er zu
Anfang des Studiums fast denselben
Stoff wie die Mathematikstudenten
hatte und dass dieser zu einem erheblichen
Teil aus Beweisen bestand.

Meine Frage: Der Beruf des Informatikers
enthält, soviel ich weiß, kaum bis keine
Beweisführungen. Warum ist das Studium
dann so gestaltet?
Christian Steins
2018-09-18 18:46:46 UTC
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Post by Lothar Frings
Ein Bekannter von mir, der Informatik
studiert hat, hat erzählt, dass er zu
Anfang des Studiums fast denselben
Stoff wie die Mathematikstudenten
hatte und dass dieser zu einem erheblichen
Teil aus Beweisen bestand.
Meine Frage: Der Beruf des Informatikers
enthält, soviel ich weiß, kaum bis keine
Beweisführungen. Warum ist das Studium
dann so gestaltet?
Informatik fußt halt zum Großteil auf der Mathematik.

An der TU geht es vermutlich mit etwas weniger Mathe ab.

Christian
Christian Gollwitzer
2018-09-18 19:40:05 UTC
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Post by Lothar Frings
Ein Bekannter von mir, der Informatik
studiert hat, hat erzählt, dass er zu
Anfang des Studiums fast denselben
Stoff wie die Mathematikstudenten
hatte und dass dieser zu einem erheblichen
Teil aus Beweisen bestand.
Meine Frage: Der Beruf des Informatikers
enthält, soviel ich weiß, kaum bis keine
Beweisführungen. Warum ist das Studium
dann so gestaltet?
Nun ja, eine richtig krasse Beweisführung mit 30 Lemmata wird ein
Berufs-Informatiker wohl eher nicht führen, es sei denn, er ist
Informatik-Wissenschaftler an der Uni. Allerdings erwarte ich von einem
studierten Informatiker (im Gegensatz zu einem Programmierer /
Fachinformatiker) aber schon, dass er etwa das Halteproblem kennt und
die Implikationen daraus sowie eine Komplexitätsbetrachtung machen kann
und den Unterschied zwischen O(N^2) und O(N*log(N)) versteht. Und das
ist ja dann schon wieder recht nah an der Mathematik. Und Dinge wie etwa
Parser, die man im Compilerbau braucht, sind eigentlich auch eine recht
genaue Abbildung von Axiomensystemen.

Bei uns (ich bin Physiker) gab es einen extra-Kurs "Mathematik für
Physiker" der etwas weniger Beweise und dafür mehr Vektoranalysis und
ähnliche Dinge hatte - an technischen Universitäten gibt es vermutlich
dann auch sowas für Informatiker.

Christian
Helmut Richter
2018-09-19 06:39:37 UTC
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Post by Christian Gollwitzer
Nun ja, eine richtig krasse Beweisführung mit 30 Lemmata wird ein
Berufs-Informatiker wohl eher nicht führen, es sei denn, er ist
Informatik-Wissenschaftler an der Uni. Allerdings erwarte ich von einem
studierten Informatiker (im Gegensatz zu einem Programmierer /
Fachinformatiker) aber schon, dass er etwa das Halteproblem kennt und die
Implikationen daraus sowie eine Komplexitätsbetrachtung machen kann und den
Unterschied zwischen O(N^2) und O(N*log(N)) versteht. Und das ist ja dann
schon wieder recht nah an der Mathematik.
Und Dinge wie etwa Parser, die man
im Compilerbau braucht, sind eigentlich auch eine recht genaue Abbildung von
Axiomensystemen.
Wobei der Umgang mit ihnen in Beweisen eher algebraischer als logischer
Natur ist. „Aus der Satzform X ist die Satzform Y ableitbar“ ist eine
stinknormale Relation auf der Menge der Satzformen, nicht eine Herleitung
von Aussagen, aus Axiomen.
Post by Christian Gollwitzer
Bei uns (ich bin Physiker) gab es einen extra-Kurs "Mathematik für Physiker"
der etwas weniger Beweise und dafür mehr Vektoranalysis und ähnliche Dinge
hatte - an technischen Universitäten gibt es vermutlich dann auch sowas für
Informatiker.
Das ist insofern etwas anderes als die meisten Physiker keine neuen
mathematischen Strukturen zur Beschreibung physikalischer Phänomene
erfinden, sondern mit der vorhandenen Menge aller reellen und komplexen
Funktionen auskommen. (Wenn sie's mal nicht tun, erfinden sie schon Neues
wie Dirac, und die Mathematiker müssen hinterher zeigen, dass man das so
machen durfte.)
--
Helmut Richter
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